Ihre Hand zitterte, als sie die Kaffeetasse abstellte. Das Frühstück war einfach, aber es machte satt. Nur …, sie fühlte sich nicht gut! Eher fühlte sie sich wie unter Drogen gesetzt. Da sie diese, sowie auch sonst nichts dergleichen zu sich genommen hatte, dachte sie ernsthaft darüber nach, ob es möglich war, dass der Rotwein auch noch nach zwei Tagen wirkte. Sie beobachte die Menschen in dem kleinen Frühstücksraum. Alles Touristen. Wahrscheinlich alles Menschen, die nun, kurz nach ihrem Frühstück, zum Flughafen aufbrachen. Nur sie nicht. Das heißt, was sie jetzt eigentlich machen würde, wusste sie gar nicht.
Erneut griff sie nach der Kaffeetasse, in der Hoffnung einen klaren Kopf zu bekommen. Was hatte sie nur gemacht?
Am Anfang war es wie ein schönes, großes Abenteuer, als sie mit ihrer Freundin Bianca aufgebrochen war, um einen Mann zu suchen, den sie gar nicht kannte. Es verschaffte ihr sogar Erleichterung nach ihm zu suchen. Während sie sich auf die Suche konzentrierte, vergaß sie, dass sie eigentlich alles vergessen hatte. „Möchten sie noch Kaffee?“, die Bedienung lächelte sie freundlich an. „Ja, gerne“, antwortete sie leise und sah zu, wie die dunkle Flüssigkeit in ihre Kaffeetasse erneut nachgefüllt wurde, mit der Erkenntnis, dass auch dieser Kaffee ihr nicht weiterhelfen konnte.
Susanna saß alleine an dem Tisch, da Timm bereits mit seinem Frühstück fertig, nun doch von seinem schlechten Gewissen geplagt, zum gegenüberliegenden Postgebäude gegangen war, um mit Jim in Hajmar zu telefonieren.
Nervös schaute sie dem morgendlichen Menschentreiben auf der Straße zu. Alles hatte sie vergessen, als sie aus dem Koma vor zwei Jahren erwacht war. Wer sie war. Wo sie lebte. Mit wem sie lebte. Ihre Freunde.
Nur bruchstückchenweise kamen die Erinnerungen zurück. Der Autounfall, der Betrug ihres damaligen Freundes mit einer Anderen. Die Erinnerungen an ihre Familie und an ihre Freundin Bianca. Letztere hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass die Erinnerungen überhaupt bruchstückweise zurückkamen. Erneut griff sie nach dem Kaffee, fragte sich aber auch, ob das Zittern ihrer Hand
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