andere gelegt. „Ich sah dich zum ersten Mal, als ich mit einer ganzen Ärzteschar an einer Visite teilnehmen durfte“, begann er, „sie sprachen an deinem Bett darüber, dass du an einem chronisch, subduralen Hämatom im oberen Bereich des rechten Stirnlappen leidest“. Susanna zog fragend die Augenbrauen hoch, aber er redete weiter. „Sie wiesen an, die Operation vorzubereiten und verließen dann geschlossen den Raum“, er unternahm eine kleine Pause. „Das war das erste Mal, dass ich dich sehen konnte und ich vergaß einfach der Truppe zu folgen.“ Sein Blick löste sich von ihr, er stütze sich mit den Ellenbogen auf seine Knie und seine Augen glitten verträumt durch den Raum. „Ich weiß nicht, was in dem Moment passiert ist, aber ab dem Zeitpunkt, konnte ich an nichts anderes mehr denken als an dich. Ich war so gut wie immer bei dir.“ Er stand auf und ging auf sie zu. „Ich bin kein Heiliger, Susanna. Ich habe schon etliche Frauen gehabt.“ „Oh, wie nett“, entfuhr es ihr, aber er ignorierte ihre Bemerkung. „Nie wollte ich etwas Festes haben, ich habe Sex gehabt und mehr interessierte mich nicht. Falls ich mal gespürt habe, dass es von meiner Seite aus mehr werden könnte, habe ich es beendet.“ „Warum?“, fragte sie irritiert. „Es lohnt sich nicht“, flüsterte er leise. „Wieso? Was lohnt sich nicht, Timm?“ „Eine Beziehung lohnt sich nicht. Man investiert so viele Gefühle …, dafür, dass am Ende alles vorbei ist.“ Stirnrunzelnd sah sie ihn an. „Das muss doch gar nicht so sein. Ich meine, wenn es passt …, es gibt etliche Paare die ein ganzes Leben zusammen sind.“ „Bis einer stirbt und dann?“ Entsetzt sah sie ihn an. „Ach du meinst, auf ein gesamtes Leben lohnt es sich nicht?“ „Richtig.“ „Aber wenn man so denkt, dann lohnt sich doch gar nichts.“ „Auch richtig.“ Sie zog zum Schutze das Hemd enger um sich und stand vor ihm als würde sie plötzlich frösteln. „Wieso …“, fragte sie zaghaft, „kommt man auf solche Gedanken?“ Erstaunt sah er sie an. „Das fragst du mich? Ausgerechnet du? Gerade du musst es doch wissen, Susanna. Du warst dem Tod doch schon so nah und du hast bereits die Hälfte deines Lebens verloren.“ „Ich habe die Hälfte meines Lebens verloren?“, fragte sie nach.
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