„Deine Erinnerungen“, half er ihr auf die Sprünge. „Was ist ein Leben ohne Erinnerungen?“ „Ich habe Erinnerungen“, begann sie ihr Leben zu verteidigen und trat, immer noch in fröstelnder Haltung, ein paar Schritte rückwärts, während er das Wort wieder übernahm und lässig ein paar Schritte nach vorne ging, so dass er wieder direkt vor ihr stand. „Drei? Oder vier? Schwammige Momente vor dem Unfall? Vielleicht auch mal Ausschnitte aus der Schulzeit? Du hast als Kind gelernt. Wozu? Wenn du nun so vieles nicht mehr weißt davon. Du hast Menschen mit deiner Anwesenheit glücklich gemacht. Zum Beispiel deine Eltern. Du hast deinem Freund Liebe geschenkt. All das ist weg! Es ist für dich weg und es ist für die weg, die dich lieben.“ „Ich biete etwas anderes!“, fuhr sie auf und er zog fragend die Augenbrauen hoch, während sie weitersprach. „Ich bin nicht tot und selbst wenn ich es wäre hätte mein Leben in dieser Welt durchaus etwas bewirkt. Vielleicht merke ich das nicht. Vielleicht löse ich mit meiner Anwesenheit nur woanders etwas aus. Wenn es so ist, und ich glaube, dass es so ist, dann ist für mich der Sinn des Lebens, einfach zu Leben. Warum das der Sinn ist? Wieso das der Sinn ist?“, fragte sie sich doppelt und antwortete sich auch gleich direkt selber, „… das kümmert mich nicht! Leben ist für mich ständige Veränderung und ich glaube niemand auf diesem Planeten weiß warum das so ist.“ Sie ließ das Hemd los und hob die Hände fragend an. „Wieso soll sich nichts für mich lohnen? Ich bin doch da und solange ich da bin, lohnt sich alles, was ich für gut halte.“ Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und zart berührte er ihre Wange. „Und du glaubst meine Frage, ob ich dich heiraten will, wäre nicht ernst gemeint?“ Völlig verblüfft sah sie ihn an. Seinen Antrag hatte sie bei diesem Dialog direkt wieder vergessen gehabt. Er tat so als bemerkte er das nicht und nahm zart ihr Gesicht zwischen seine Hände. „Du bist wie die Sonne, die vor mir aufgegangen ist, Susanna. Deine Strahlen erleuchten alles um mich und deine Wärme und Zuversicht berühren direkt mein Herz. Vom ersten Augenblick habe ich gespürt, dass du zu mir gehörst. Vielleicht habe ich mich dagegen gewehrt in Hajmar, weil ich solche Gefühle
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